The following text is a press release provided by the Max Planck Institute for Chemistry.
Aerosole sind winzige, in der Luft schwebende Partikel. Sie beeinflussen Klima und Wasserkreislauf, indem sie als Kondensationskerne für Wolken und Niederschläge dienen. Doch über dem Amazonas-Regenwald, einer der Regionen mit der reinsten Luft weltweit, war eine Neubildung von Partikeln kaum zu beobachten. Woher die meisten Aerosolpartikel dort stammen, blieb lange ungeklärt. Forschende vermuteten bislang, dass sie aus weit entfernten Regionen herantransportiert werden. Nun liefern hochpräzise Langzeitmessungen am Amazon Tall Tower Observatory (ATTO) eine überraschende Antwort: Ein kontinuierlicher Prozess, den die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als „Stille Neupartikelbildung“ bezeichnen, wandelt gasförmige Vorläuferstoffe direkt vor Ort in winzige organische Partikel im Nanometerbereich um. Dieser bislang unbekannte Mechanismus erklärt einen Großteil der während der Regenzeit beobachteten Nanopartikel.
Aerosolpartikel spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Wolken und Niederschlägen sowie im Wasserkreislauf und im Klimasystem. Ihr Ursprung in der unberührten Luft des Amazonas-Regenwaldes blieb jedoch lange unklar. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universität São Paulo bringt nun Licht ins Dunkel: Demnach bilden sich Aerosolpartikel kontinuierlich in der unteren Atmosphäre des Regenwaldes − selbst unter Bedingungen, die Forschende bisher für ungeeignet hielten. Zwar verlaufen Bildung und Wachstum der Partikel langsamer als in anderen Regionen der Erde, doch gerade das macht sie bedeutsam: In der außergewöhnlich sauberen Luft der Amazonas-Regenzeit, in der die Partikelkonzentrationen besonders niedrig sind, fällt selbst eine geringe kontinuierliche Neubildung stark ins Gewicht.
Partikelgrößen im Fokus: Zehn Jahre Daten vom Forschungsturm ATTO
Um Einblicke in das Verhalten von Partikeln im Nanometerbereich zu erhalten, analysierten die Forschenden die Größenverteilung der Partikel. Die Daten wurden in Langzeitmessungen am Amazon Tall Tower Observatory (ATTO) über einen Zeitraum von zehn Jahren gewonnen. Dabei entdeckte das Team schwache, aber beständige Signale einer kontinuierlichen Partikelbildung, die zuvor in den schwankenden atmosphärischen Bedingungen verborgen blieben. Das Ergebnis überraschte sie: Die Entstehung von Nanopartikeln im Amazonasgebiet ist demnach kein seltenes Ereignis, sondern offenbar ein kontinuierlich ablaufender Hintergrundprozess – unbemerkt, aber stetig.
„Bisher gingen wir davon aus, dass neue Partikel selten in Höhe des Kronendachs, sondern hauptsächlich durch Prozesse in der oberen Troposphäre entstehen und mit Niederschlag nach unten transportiert werden“, sagt Bruno Backes Meller, Erstautor der Studie und Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Chemie. „Jetzt zeigen wir, dass ein verborgener Mechanismus nahezu die Hälfte der winzigen Partikel zwischen 10 und 25 Nanometern direkt in der planetaren Grenzschicht erzeugt, ganz ohne Abwinde oder Ferntransport.“ Diese untere Luftschicht reicht von der Erdoberfläche bis in ein bis zwei Kilometer Höhe.
Atmosphärenmodelle müssen verfeinert werden
„Diese Erkenntnisse verändern unser Bild davon, wie die Kondensationskeime für Wolken und Niederschläge im Amazonasgebiet entstehen“, sagt Ulrich Pöschl, Co-Autor und Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie. „Die Entdeckung einer kontinuierlichen, weit verbreiteten Partikelquelle über dem tropischen Regenwald bedeutet, dass bestehende Klimamodelle angepasst werden müssen, um das Zusammenspiel zwischen Aerosolen, Wolken und dem Ökosystem genauer darzustellen.“
Für Paulo Artaxo, korrespondierender Autor von der Universität São Paulo, wirft dieser Befund zugleich neue Fragen auf. Seiner Einschätzung nach unterscheiden sich die chemischen Prozesse nahe des Kronendachs wahrscheinlich deutlich von denen in höheren Luftschichten – allein schon wegen der höheren Temperaturen und der anderen chemischen Bedingungen dort. „Das Verständnis dieser Prozesse wird entscheidend sein, um vorherzusagen, wie der Regenwald und seine Atmosphäre auf den Klimawandel reagieren“, sagt Artaxo.
Beckes Meller et al. veröffentlichten die Studie “Quiet New Particle Formation is a significant aerosol source in the Amazon boundary layer” als Open Access Artikel in der Fachzeitschrift ACP letters.
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Atmosphärische Aerosolpartikel sind für die Bildung von Wolken und Niederschlag essenziell und beeinflussen so den Energiehaushalt, den Wasserkreislauf und das Klima der Erde. Der Ursprung von Aerosolpartikeln in sauberer Luft über dem Amazonas-Regenwald während der Regenzeit ist bisher jedoch nicht geklärt. Eine neue Studie unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz zeigt, dass Regenfälle zur Neubildung großer Mengen von Nanopartikeln in der Luft über dem Blätterdach des Waldes führen.
Von Buschfeuern in Afrika gelangen in manchen Zeiten mehr Rußpartikel in den zentralen Amazonasregenwald als von regionalen Bränden.
In einer neuen Studie untersuchten Marco A. Franco und seine Kollegen, wann und unter welchen Bedingungen Aerosole eine für die Wolkenbildung relevante Größe erreichen. Solche Wachstumsereignisse sind im Amazonas-Regenwald relativ selten und folgen ausgeprägten tages- und jahreszeitlichen Zyklen. Die meisten davon finden tagsüber und während der Regenzeit statt. Aber das Team entdeckte auch einige bemerkenswerte Ausnahmen.
Es ist seit langem bekannt, dass Aerosole direkt und indirekt Wolken und Niederschlag beeinflussen. Aber nur sehr wenige Studien haben sich auf das Gegenteil konzentriert: die Frage, wie Wolken die Eigenschaften von Aerosolen verändern. Deshalb haben Luiz Machado und seine Kollegen diesen Prozess an ATTO untersucht. Konkret untersuchten sie, wie Wetterereignisse die Größenverteilung von Aerosolpartikeln beeinflussen.
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Ramsay et al. haben anorganische Spurengase wie Ammoniak und Salpetersäure sowie Aerosole in der Trockenzeit an ATTO gemessen. Sie sollen als Basiswerte für deren Konzentration und Flüsse in der Atmosphäre dienen und sind ein erster Schritt zur Entschlüsselung der Austauschprozesse von anorganischen Spurengasen zwischen dem Amazonas-Regenwald und der Atmosphäre.
Ruß und andere Aerosole aus der Verbrennung von Biomasse können das regionale und globale Wetter und Klima beeinflussen. Lixia Liu und ihre Kollegen untersuchten, wie sich dies auf das Amazonasbecken während der Trockenzeit auswirkt. Obwohl es viele verschiedene Wechselwirkungen zwischen Aerosolen aus der Biomasseverbrennung und dem Klima gibt, fanden sie heraus, dass sie insgesamt zu weniger und schwächeren Regenereignissen im Amazonasregenwald führen.
Felipe Souza und Co-Autoren sammelten nun Bioaerosole an ATTO. Dann extrahierten und analysierten sie die DNA, um die vorhandenen Gemeinschaften zu bestimmen. Dies ist die erste Studie, die die Gemeinschaft der Mikroorganismen in Aerosolen im Amazonasgebiet beschreibt. Sie fanden viele verschiedene Arten von Bakterien und Pilzen. Einige waren kosmopolitische Arten, die auf der ganzen Welt zu finden sind. Aber sie identifizierten auch viele, die für bestimmte Umgebungen wie Boden oder Wasser spezifisch sind. Dies deutet darauf hin, dass die Atmosphäre als wichtiges Mittel für den Bakterienaustausch zwischen Pflanzen, Boden und Wasser dienen kann.
Mira Pöhlker und ihr Team haben am 80-Meter-Turm an ATTO kontinuierlich Aerosole und deren Eigenschaften in der Atmosphäre gemessen und damit die erste derartige Langzeitaufzeichnung im Amazonasgebiet geschaffen. Sie analysierten die Daten in zwei aufeinander folgenden Publikationen. Die zweite wurde nun in ACP veröffentlicht.
