Wetterextreme im Regenwald mindern wichtige Rückkopplung zwischen Boden und Luft

Der folgende Text ist eine Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Chemie.

Auf den Punkt gebracht:

  • Extreme Wetterereignisse verändern die Isopren-Aufnahmekapazität des Bodens: Während der El-Niño-Dürre im Jahr 2023 führte eine Bodenfeuchte von unter 20 % zu einer starken Einschränkung der Bodenatmung und der Isoprenaufnahme des Bodens, wobei die Isoprenkonzentrationen in der Atmosphäre über dem Wald anstiegen.
  • Auswirkungen auf atmosphärische Prozesse: Da der Klimawandel Dürren und Hitzeextreme verschärft, könnte eine verringerte Isoprenaufnahmekapazität des Bodens Auswirkungen auf die Oxidation in der Atmosphäre, die Aerosolbildung und die Lebensdauer von Methan haben.
  • Verbesserte Klimaprognosen: Die Berücksichtigung der Isoprenaufnahme durch den Boden in Modellen würde die Prognosen zu zukünftigen Klimarückkopplungen verbessern.

Isopren ist eine flüchtige organische Verbindung (VOC), die auf natürliche Weise von Pflanzen gebildet wird. Jährlich werden über 500 Megatonnen Isopren in die Erdatmosphäre freigesetzt, vor allem aus tropischen Wäldern. Böden gelten als Senken für atmosphärisches Isopren, doch ihr Verhalten vor Ort ist nach wie vor kaum erforscht, insbesondere im Amazonasgebiet, wo die Emissionen von globaler Bedeutung sind.

Eine neue Studie von Forschern des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz beschreibt nun, wie ein Rückkopplungsmechanismus zwischen Boden und Atmosphäre unter extremen Dürre- und Hitzebedingungen im Amazonasgebiet entscheidend beeinträchtigt wird. Das Team maß über mehrere Jahreszeiten hinweg die Isoprenflüsse in die Böden des Regenwaldes, darunter auch während der rekordverdächtigen Dürre in der Trockenzeit 2023. Sie zeigen, dass Böden unter normalen Bedingungen Isopren in hohem Maße aufnehmen, unter Trockenstress jedoch deutlich weniger – wie beispielsweise während des starken El-Niño-Ereignisses im Jahr 2023, das zu rekordtiefen Flusspegeln und weitverbreitetem Vegetationsstress führte. Die Ergebnisse waren eindrucksvoll: Die Isopren-Aufnahmekapazität sank im Vergleich zu normalen Bedingungen um mehr als das Vierfache.

Giovanni Pugliese bei der Arbeit im Amazonas-Regenwald. Mithilfe des Messgeräts erfasst er die Austauschprozesse des Bodens.
© Dom Jack / MPI-C

Dürre verlangsamt die Isoprenaufnahme im Boden

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Isoprenaufnahme im Boden unter den extremen klimatischen Bedingungen des El Niño von 2023 plötzlich nicht mehr auf die erhöhten Isoprenkonzentrationen in der Umgebungsluft reagierte, wie sie es normalerweise tun“, erklärte Giovanni Pugliese, Erstautor der Studie und Forscher am Max-Planck-Institut für Chemie. „Diese Beobachtungen stehen im Einklang mit einer physiologischen Einschränkung der Isopren abbauenden Bodenmikroorganismen, wenn die Bodenfeuchte unter 20 Prozent fällt.“ Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift Nature Communications Earth & Environment veröffentlicht.

Isopren wird durch chemische Oxidation in der Atmosphäre entfernt. Das primäre atmosphärische Oxidationsmittel ist das Hydroxylradikal (OH). In geringerem Maße ist auch Ozon (O₃) beteiligt. Daher sind Isoprenkonzentrationen entscheidend für das Gleichgewicht zwischen reaktiven biogenen Emissionen und atmosphärischen Oxidationsmitteln. Dieses Gleichgewicht beeinflusst die Lebensdauer von Treibhausgasen wie Methan und verändert, wie schnell sich sekundärer organischer Aerosole bilden, die wiederum unter anderem als Kondensationskeim für Wolken dienen. Folglich spiegelt die Isoprenkonzentration in der Luft das Zusammenspiel der pflanzlichen Emissionen, dem atmosphärischem Abbau und der Bodenaufnahme wider.

Isopren: Ein entscheidendes Gas für das Klima

Projektleiter Jonathan Williams fügte hinzu: „Überraschend war zu beobachten, dass das Amazonas-Ökosystem auf kurzfristige Dürre- und Hitzeextreme mit erhöhten Insoprenkonzentrationen in der Atmosphäre durch vermehrte Emissionen aus den Baumkronen reagiert und gleichzeitig der Boden als Isopren-Senke geschwächt wird.“ Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit der allgemeinen Wissenschaftsannahme, dass Isoprenemissionen als Abwehrmechanismus der Pflanzen gegen thermischen Stress und oxidative Schäden dienen.

Die Ergebnisse stimmen zudem mit früheren Messungen überein, die in einem künstlichen Regenwald durchgeführt wurden und bei denen die Auswirkungen von Trockenheit und Wiederbefeuchtung auf die Flüsse biogener flüchtiger organischer Verbindungen im Boden untersucht wurden. Damals stellten die Forscher fest, dass bei einem Rückgang der Bodenfeuchte unter 19 Prozent die Fähigkeit des Regenwaldbodens, VOCs aus der Atmosphäre aufzunehmen, nicht nur abnimmt, sondern der Boden sogar selbst zu einer Quelle von VOCs wird.

Ein Dschungel voller Kabel: Die auf dem Boden verlegten Schläuche führen zu verschiedenen Messstellen im Amazonas-Regenwald, an denen Isopren in der Luft gemessen wurde.
© Dom Jack / MPI-C

Nutzung von Bodendaten zur Verbesserung von Klimamodellen

Erhöhte Isoprenkonzentrationen schwächen jedoch auch die Oxidationskapazität der Atmosphäre ab und verlängern während der Dürreperiode die Verweildauer von Methan. Es bleibt abzuwarten, ob die erwarteten häufigeren und intensiveren El-Niño-Dürren diesen Trend fortsetzen werden oder ob sich die Bodenmikroorganismen an die zunehmend häufiger auftretenden, heißeren und trockeneren Bedingungen anpassen werden.

Basierend auf der Auswertung ihrer Messdaten schlagen die Forschenden vor, dass die Isoprenaufnahme durch den Boden in globalen Klimamodellen zu berücksichtigen. Dies könnte ein entscheidender Schritt sein, um klimabedingte atmosphärische Rückkopplungen in den Tropen besser quantifizieren zu können.However, enhanced isoprene levels also depress atmospheric oxidation capacity and prolong the methane lifetime over the drought period. It remains to be seen whether the anticipated more frequent and intense El Niño droughts will continue this trend or whether the soil microbes will adapt to the increasingly common, hotter and drier conditions.

Based on these findings, the researchers suggest that accounting for soil isoprene uptake in global models is a crucial step toward better quantifying climate-driven atmospheric feedbacks in the tropics.

Pugliese et al. veröffentlichten die Studie “El Niño drought and heat extremes suppress soil isoprene uptake capacity in the Amazon rainforest”  Open Access in der Fachzeitschrift Nature Communications Earth & Environment.

Similar articles